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Finanzkennzahlen für KMU: Liquidität, Marge, Debitorenfrist und Break-even

Sechs Kennzahlen, die sich direkt aus Bilanz und Erfolgsrechnung berechnen lassen, jeweils mit Formel, Beispielrechnung in Franken und den Richtwerten des KMU-Portals des Bundes.
25.08.2025 Aktualisiert 13.10.2026 Buchhaltung & Finanzen

Warum Umsatz und Gewinn nicht reichen

Umsatz zeigt, wie viel verkauft wurde. Gewinn zeigt, was am Ende des Jahres übrig blieb. Beides sagt wenig darüber, ob der Betrieb nächsten Monat seine Rechnungen zahlen kann, wie abhängig er von der Bank ist oder ab welchem Umsatz er überhaupt Geld verdient. Dafür gibt es eine Handvoll Kennzahlen, die sich aus Bilanz und Erfolgsrechnung direkt berechnen lassen. Banken schauen bei jedem Kreditgespräch auf genau diese Werte.

Das Beispielunternehmen

Alle Rechnungen in diesem Artikel beziehen sich auf denselben Betrieb, eine kleine Handels- und Montagefirma. Die Zahlen sind Annahmen zur Illustration.

Bilanz per 31.12.CHF
Flüssige Mittel40'000
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen120'000
Vorräte30'000
Umlaufvermögen190'000
Anlagevermögen110'000
Total Aktiven300'000
Kurzfristiges Fremdkapital110'000
Langfristiges Fremdkapital70'000
Eigenkapital120'000

Erfolgsrechnung: Umsatz CHF 960'000, Material und Fremdleistungen CHF 380'000, übrige Kosten (Löhne, Miete, Verwaltung, Abschreibungen) CHF 520'000, Gewinn CHF 60'000.

Liquiditätsgrade: Kann der Betrieb zahlen?

Die drei Liquiditätsgrade setzen zunehmend breitere Teile des Umlaufvermögens ins Verhältnis zum kurzfristigen Fremdkapital.

  • Liquiditätsgrad 1 = flüssige Mittel ÷ kurzfristiges Fremdkapital × 100. Beispiel: 40'000 ÷ 110'000 = 36 Prozent. Das KMU-Portal des Bundes nennt mindestens 20 Prozent als Richtwert.
  • Liquiditätsgrad 2 = (flüssige Mittel + Forderungen) ÷ kurzfristiges Fremdkapital × 100. Beispiel: 160'000 ÷ 110'000 = 145 Prozent. Der Wert sollte laut KMU-Portal klar über 100 Prozent liegen.
  • Liquiditätsgrad 3 = Umlaufvermögen ÷ kurzfristiges Fremdkapital × 100. Beispiel: 190'000 ÷ 110'000 = 173 Prozent. Die goldene Bankregel verlangt, dass das Umlaufvermögen grösser ist als das kurzfristige Fremdkapital, also mehr als 100 Prozent.

Die Einschränkung: Liquiditätsgrade sind eine Momentaufnahme am Bilanzstichtag. Ob am 25. Dezember genug Geld für Löhne und 13. Monatslohn da ist, zeigt nur ein laufender Liquiditätsplan, wie im Artikel Cashflow verstehen und aktiv steuern beschrieben.

Bruttomarge: Was bleibt nach den direkten Kosten?

Bruttogewinn = Umsatz minus Material und Fremdleistungen. Bruttomarge = Bruttogewinn ÷ Umsatz × 100.

Beispiel: 960'000 minus 380'000 = 580'000. Bruttomarge 580'000 ÷ 960'000 = 60,4 Prozent. Von jedem Franken Umsatz bleiben rund 60 Rappen, um Löhne, Miete und alle übrigen Kosten zu decken.

Interessant wird die Bruttomarge im Vergleich: über mehrere Jahre, zwischen Produktgruppen oder zwischen Projekten. Sinkt sie, steigen meist Einkaufspreise schneller als die eigenen Preise, oder es wird mehr verschenkt, als in der Offerte stand. Bei Dienstleistern, deren Hauptkosten Löhne sind, ist die Marge pro Projekt aussagekräftiger. Wie man sie mit Zeitdaten misst, zeigt der Artikel zu unrentablen Projekten.

Debitorenfrist (DSO): Wie schnell zahlen die Kunden?

Debitorenfrist in Tagen = Forderungen ÷ Umsatz × 365. Debitorenumschlag = Umsatz ÷ Forderungen.

Beispiel: 120'000 ÷ 960'000 × 365 = 46 Tage. Der Debitorenumschlag liegt bei 8. Das KMU-Portal nennt einen Umschlag von mindestens 8 bis 10 als Richtwert und hält fest, dass bei einem Zahlungsziel von 30 Tagen die effektive Frist typischerweise bei 36 bis 45 Tagen liegt. Das Beispielunternehmen liegt am oberen Rand.

Ein Detail, das oft falsch gerechnet wird: Forderungen in der Bilanz enthalten die MWST, der Umsatz in der Erfolgsrechnung nicht. Für einen sauberen Vergleich über die Jahre spielt das keine Rolle, solange immer gleich gerechnet wird. Für den Vergleich mit dem Zahlungsziel lohnt es sich, den Umsatz inklusive MWST zu nehmen. Bei 8,1 Prozent MWST sinkt die Frist im Beispiel auf rund 42 Tage.

Eigenkapitalquote: Wie unabhängig ist der Betrieb?

Eigenkapitalquote = Eigenkapital ÷ Gesamtkapital × 100. Beispiel: 120'000 ÷ 300'000 = 40 Prozent.

Eine allgemeinverbindliche Grenze gibt es nicht. Das KMU-Portal des Bundes nennt als häufig verwendete Faustregel mindestens 50 Prozent für Industriebetriebe und mindestens 40 Prozent für Handelsunternehmen, betont aber, dass Branche und Betrieb berücksichtigt werden müssen. Dienstleister mit wenig Anlagevermögen kommen oft mit weniger aus. Wichtiger als der absolute Wert ist die Entwicklung: Eine Quote, die jedes Jahr sinkt, weil Gewinne ausgeschüttet und Investitionen mit Krediten bezahlt werden, ist ein Warnsignal.

Break-even: Ab welchem Umsatz verdient der Betrieb Geld?

Break-even Umsatz = Fixkosten ÷ Deckungsbeitragsquote. Die Deckungsbeitragsquote entspricht hier der Bruttomarge, weil Material und Fremdleistungen die einzigen variablen Kosten sind.

Beispiel: 520'000 ÷ 0,604 = rund CHF 860'700. Der Betrieb braucht also rund CHF 860'700 Umsatz, um alle Kosten zu decken. Mit CHF 960'000 liegt er rund CHF 99'300 oder 10 Prozent darüber. Diese Sicherheitsmarge ist schmal: Ein Umsatzrückgang von 10 Prozent würde den Gewinn vollständig aufzehren.

Die gleiche Rechnung funktioniert monatlich. Fixkosten von CHF 43'300 pro Monat geteilt durch 0,604 ergeben einen monatlichen Break-even Umsatz von rund CHF 71'700. Das ist eine Zahl, die jede Geschäftsleitung auswendig kennen sollte. Wer Preise kalkuliert, findet die Verbindung zum Stundensatz im Artikel Kalkulation mit Köpfchen.

Die sechs Werte auf einer Seite

KennzahlFormelBeispielRichtwert
Liquiditätsgrad 1Flüssige Mittel ÷ kurzfr. FK36 %mind. 20 % (KMU-Portal)
Liquiditätsgrad 2(Flüssige Mittel + Forderungen) ÷ kurzfr. FK145 %klar über 100 % (KMU-Portal)
Liquiditätsgrad 3Umlaufvermögen ÷ kurzfr. FK173 %über 100 % (goldene Bankregel)
Bruttomarge(Umsatz minus direkte Kosten) ÷ Umsatz60,4 %Vergleich über Zeit
DebitorenfristForderungen ÷ Umsatz × 36546 TageUmschlag mind. 8 bis 10
EigenkapitalquoteEigenkapital ÷ Gesamtkapital40 %branchenabhängig
Break-evenFixkosten ÷ DB-QuoteCHF 860'700Sicherheitsmarge beobachten

Einmal pro Quartal ausgerechnet und mit dem Vorjahr verglichen, reichen diese Werte für die meisten KMU. Eine Buchhaltungssoftware liefert die Grundzahlen, die Interpretation bleibt Aufgabe der Geschäftsleitung.

Quellen

Publikationsdatum 25.08.2025