ESG-gebundene Kredite für KMU: Green Loans und nachhaltigkeitsgebundene Kredite
Zwei Arten von nachhaltiger Finanzierung
Unter den Begriffen ESG-gebundene Finanzierung, nachhaltigkeitsgebundene Kredite oder Green Loans laufen zwei Instrumente, die nach unterschiedlichen Regeln funktionieren. Beide gehen auf internationale Standards der Loan Market Association (LMA) zurück, die zusammen mit den Kreditmarktverbänden aus Asien und den USA herausgegeben werden. Die aktuelle Fassung beider Standards datiert vom 26. März 2025.
Green Loan: Das Geld ist an einen Zweck gebunden
Ein Green Loan finanziert ein bestimmtes Vorhaben mit Umweltnutzen: Photovoltaik, Gebäudesanierung, Wärmepumpe, Elektroflotte. Die Green Loan Principles beruhen auf vier Kernelementen: Verwendung der Mittel, Verfahren zur Bewertung und Auswahl der Projekte, Verwaltung der Mittel und Berichterstattung. Der Kreditnehmer muss also nachweisen, dass das Geld in das vereinbarte Projekt geflossen ist.
Sustainability-Linked Loan: Der Zins hängt an Zielen
Ein Sustainability-Linked Loan (SLL, nachhaltigkeitsgebundener Kredit) darf für allgemeine Unternehmenszwecke verwendet werden. Stattdessen werden Kennzahlen (KPIs) und Zielwerte (Sustainability Performance Targets) vereinbart. Erreicht das Unternehmen die Ziele, sinkt die Marge, verfehlt es sie, kann sie steigen. Die Sustainability-Linked Loan Principles nennen fünf Kernelemente: Auswahl der KPIs, Kalibrierung der Ziele, Ausgestaltung des Kredits, Berichterstattung und Verifizierung. Der Kreditnehmer muss mindestens jährlich über die KPIs berichten, und die Zielerreichung muss von einer unabhängigen externen Stelle geprüft werden, etwa einer Revisionsgesellschaft oder einer Ratingagentur.
| Green Loan | Sustainability-Linked Loan | |
|---|---|---|
| Verwendung | Nur für das definierte Projekt | Frei, allgemeine Unternehmenszwecke |
| Was gemessen wird | Mittelverwendung und Wirkung des Projekts | Unternehmensweite KPIs gegen Zielwerte |
| Zinsvorteil | Je nach Bank, oft fix | Variabel je nach Zielerreichung |
| Externe Prüfung | Empfohlen, je nach Grösse | Verifizierung zwingend |
| Typischer Einsatz im KMU | Gebäude, Energie, Fahrzeuge | Eher grössere Unternehmen mit Nachhaltigkeitsstrategie |
Was Schweizer Banken konkret anbieten
Die Angebote unterscheiden sich stark, und konkrete Konditionen werden selten veröffentlicht. Einige dokumentierte Beispiele:
- Zürcher Kantonalbank, Umweltdarlehen für Unternehmen. Eine Festhypothek für Neubauten nach Minergie-Standard, Sanierungen mit GEAK-Verbesserung oder Einzelmassnahmen wie Wärmedämmung, Wärmerückgewinnung und Photovoltaik. Die Zinsvergünstigung beträgt bis zu 0,8 Prozent während maximal fünf Jahren, die Laufzeit 2 bis 15 Jahre. Die ZKB übernimmt einmalig die Kosten der Minergie-Zertifizierung oder des GEAK. Im Februar 2024 hat die ZKB zudem einen kostenlosen Eco-Check für KMU-Kunden mit Beratern von Reffnet.ch lanciert und beteiligt sich beim Umweltleasing mit einem Prozent an den Nettoanschaffungskosten, etwa von Elektronutzfahrzeugen.
- Basler Kantonalbank, Sustainability-Linked Loans. Die BKB hat die Finanzierung auf Januar 2022 lanciert. Die Marge passt sich an die Entwicklung individuell vereinbarter KPIs an, etwa CO2-Emissionen, Wasserverbrauch oder ein ESG-Rating. Ende 2022 lag das Volumen beim Stammhaus bei CHF 534 Millionen. Die meisten Transaktionen nutzten firmeninterne Kennzahlen.
- Aargauische Kantonalbank. Seit 2023 ein Sustainability-Linked Loan mit Zinsvorteil bei Zielerreichung für Kunden mit bestehender Nachhaltigkeitsstrategie sowie ein Sustainability Loan für ökologische und soziale Projekte. Die AKB nannte als Ziel, beide Produkte im Grosskundengeschäft zu etablieren.
- UBS. Bietet Sustainability-Linked Loans mit meist zwei bis drei im Kreditvertrag festgehaltenen Zielen an, sowie Green, Social und Sustainability Loans, deren Erlöse ausschliesslich für förderfähige Projekte verwendet werden. Konditionen werden individuell festgelegt.
Für ein typisches KMU mit weniger als 50 Mitarbeitenden ist das realistische Produkt meist das zweckgebundene: eine grüne Hypothek oder ein Investitionskredit für eine konkrete Massnahme. Sustainability-Linked Loans sind in der Schweiz aus dem Geschäft mit grösseren Unternehmen entstanden. Eine Studie der Hochschule Luzern, die 88 Banken untersucht hat, kam 2023 zum Schluss, dass das Kosten-Nutzen-Verhältnis bei nachhaltigen Unternehmensfinanzierungen für Banken und KMU noch nicht zufriedenstellend ist.
Was ein KMU messen und berichten muss
Bei einem Green Loan für ein Gebäude reichen meist die Projektunterlagen: Energienachweis, GEAK vor und nach der Sanierung, Rechnungen der Massnahmen. Bei einem Sustainability-Linked Loan wird es aufwendiger. Typische KPIs für KMU sind:
- Energieverbrauch pro Jahr in kWh, aus Strom- und Brennstoffrechnungen
- CO2-Emissionen aus Heizung und Fahrzeugen (Scope 1) und aus eingekauftem Strom (Scope 2)
- Anteil erneuerbarer Energie oder eigene Solarproduktion
- Soziale Kennzahlen wie Lernende pro Mitarbeitende oder Fluktuation
Entscheidend ist eine saubere Ausgangslage. Wer seinen Energieverbrauch der letzten drei Jahre nicht aus den Rechnungen rekonstruieren kann, hat keine Basis, gegen die eine Verbesserung gemessen werden kann. Die Grundlagen dazu stehen im Artikel zu Energieeffizienz im KMU.
Kosten und Nutzen, durchgerechnet
Der Zinsvorteil bei Sustainability-Linked Loans ist klein. Eine Studie von Swiss Sustainable Finance, ZHAW und dem Verband Schweizerischer Kantonalbanken beziffert die Margenanpassung im unteren bis mittleren einstelligen Basispunktebereich (ein Basispunkt entspricht 0,01 Prozent).
Rechnung mit einem Kredit von CHF 1'000'000 und einer angenommenen Reduktion von 5 Basispunkten: CHF 500 pro Jahr. Eine externe Verifizierung der KPIs kostet mehr als das. Der finanzielle Vorteil eines SLL lohnt sich deshalb erst bei grossen Kreditvolumen oder wenn die Daten ohnehin für einen Nachhaltigkeitsbericht erhoben und geprüft werden.
Anders beim zweckgebundenen Produkt. Beim ZKB-Umweltdarlehen mit der maximalen Vergünstigung von 0,8 Prozent spart eine Hypothek von CHF 1'000'000 bis zu CHF 8'000 pro Jahr, über fünf Jahre bis zu CHF 40'000, bevor die Wirkung der Sanierung selbst auf die Energiekosten dazukommt. Ob die maximale Vergünstigung erreicht wird, hängt von den erfüllten Kriterien ab.
Vorgehen in fünf Schritten
- Energie- und Brennstoffrechnungen der letzten drei Jahre zusammentragen und Verbrauch in kWh erfassen.
- Geplante Investitionen auflisten, die einen Umweltnutzen haben: Heizungsersatz, Dämmung, Photovoltaik, Fahrzeuge.
- Bei der Hausbank nach zweckgebundenen Produkten fragen und die Kriterien schriftlich geben lassen.
- Fördergelder prüfen, sie lassen sich meist mit einem grünen Kredit kombinieren.
- Einen Sustainability-Linked Loan nur dann prüfen, wenn das Kreditvolumen gross ist und die KPIs ohnehin gemessen werden.
Für die Bank zählt am Ende trotzdem zuerst die Bonität. Welche Kennzahlen dabei geprüft werden, steht im Ratgeber zu Finanzkennzahlen.
Quellen
- LMA: Green Loan Principles, 26. März 2025 (PDF)
- LMA: Sustainability-Linked Loan Principles, 26. März 2025 (PDF)
- Zürcher Kantonalbank: Umweltdarlehen für Unternehmen
- Zürcher Kantonalbank: Medienmitteilung zum Nachhaltigkeitsangebot für KMU, 19. Februar 2024
- Basler Kantonalbank: Geschäftsbericht 2022, nachhaltige Produkte
- Aargauische Kantonalbank: Geschäftsbericht 2023, nachhaltige Kreditvergabe
- UBS: Sustainable Finance für Unternehmen
- Swiss Sustainable Finance, VSKB, ZHAW: Nachhaltigkeit in der Kreditfinanzierung (Mai 2022, PDF)
- finews.ch: Nachholbedarf bei nachhaltigen Unternehmenskrediten (HSLU-Studie, 10. Juli 2023)