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1,5 Prozent Wachstum, und im eigenen Betrieb merkt niemand etwas

Die Schweizer Wirtschaft ist im zweiten Quartal deutlich stärker gewachsen als erwartet. In den meisten kleinen Betrieben fühlt sich das trotzdem nicht nach Aufschwung an. Ein Blick darauf, wer da eigentlich wächst.

Worum es geht

Das Staatssekretariat für Wirtschaft hat am 14. August die Schnellschätzung für das zweite Quartal 2026 veröffentlicht: plus 1,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal, nach plus 0,4 Prozent im ersten Quartal. Die Prognosen der Ökonominnen und Ökonomen lagen bei 0,2 bis 0,4 Prozent. Das Ergebnis ist also drei- bis siebenmal so hoch wie erwartet. Das SECO spricht von einem Aufholeffekt, die definitiven Zahlen folgen am 3. September.

Die Meldung wurde breit als Erfolgsmeldung gespielt. Wer einen Dienstleistungsbetrieb, eine Agentur oder ein Gewerbe führt, dürfte sich beim Lesen gefragt haben, wo dieses Wachstum stattfindet.

Wer da eigentlich wächst

Rund zwei Drittel des Zuwachses stammen laut SECO aus der Industrie, konkret aus Chemie und Pharma. Die Dienstleistungen wachsen verhalten. Das erklärt die Lücke zwischen Schlagzeile und Alltag: Der Aufschwung ist real, aber er verteilt sich sehr ungleich über die Branchen. Wer nicht in einer der treibenden Branchen arbeitet, spürt vom Quartalsergebnis wenig bis nichts.

Der Kontrast zur Stimmungslage ist deutlich. Das NZZ-KMU-Barometer lag im Juni bei minus 7,3 Punkten und damit auf dem tiefsten je gemessenen Wert. Als Hauptsorgen nannten die Befragten Kosten, US-Zölle, den Franken und die Bürokratie. Eine einzelne gute Quartalszahl räumt keine dieser Sorgen weg.

Was daraus folgt

Die praktische Lehre ist unspektakulär: Auf die Konjunktur zu warten, ist keine Strategie. Das Makroumfeld lässt sich nicht steuern, die eigene Auslastung schon. Drei Punkte, die unabhängig vom Quartalsergebnis wirken:

  • Pipeline sichtbar machen. Wie viele Offerten sind offen, wie alt sind sie, und bei welchen wurde nie nachgefasst? Die Antwort liegt in vielen Betrieben nur im Kopf einer Person.
  • Reaktionszeit messen. Zwischen Anfrage und Offerte vergehen oft Tage. Das ist der Teil des Verkaufs, der ohne zusätzliches Marketingbudget verbessert werden kann.
  • Cashflow vor Umsatz. Zahlungsfristen, Mahnläufe und Teilrechnungen entscheiden im Zweifel darüber, ob ein Auftrag den Betrieb trägt oder belastet.

Eine gute BIP-Zahl ist eine gute Nachricht für die Schweiz. Ein Auftragsbuch füllt sie nicht.

Quellen

Publikationsdatum 19.08.2026