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KI und der Schweizer Arbeitsmarkt: Was die KOF-Zahlen für Dienstleister bedeuten

Eine Analyse der KOF an der ETH Zürich zeigt: In Berufen mit hoher KI-Betroffenheit ist die Arbeitslosigkeit seit Herbst 2022 bis zu 30 Prozent stärker gestiegen als in wenig exponierten Berufen. Was das für Agenturen, Beratende und Selbständige heisst.
03.08.2026

Was die Zahlen sagen

Michael Siegenthaler leitet an der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich den Bereich Schweizer Arbeitsmarkt. Seine Auswertung stützt sich auf das Arbeitslosenregister und auf sämtliche online ausgeschriebenen Stellen seit Herbst 2022, also seit der Veröffentlichung von ChatGPT.

Die Befunde in Kürze:

  • In stark KI-exponierten Berufen stieg die Arbeitslosigkeit bis zu 30 Prozent stärker als in wenig exponierten.
  • Bei Softwareentwicklerinnen und -entwicklern hat sich die Zahl der Arbeitslosen von Ende 2022 bis Ende 2025 fast verdreifacht. In den fünfzehn Jahren davor war sie praktisch konstant tief.
  • 2025 zählten KI-exponierte Berufe rund 7'400 Stellensuchende mehr als wenig betroffene.
  • Betroffen sind unter anderem Softwareentwicklung, Journalismus, Webdesign sowie Marketing- und HR-Fachleute. Kaum betroffen sind Bau, Reinigung, Gastgewerbe und handwerkliche Berufe.
  • Jüngere Erwerbstätige trifft es stärker als ältere. Als mögliche Gründe nennt die Analyse häufigere Stellenwechsel und weniger Einstiegspositionen.

Ein Vorbehalt, der dazugehört

Die Auswertung zeigt einen zeitlichen Zusammenhang, keinen bewiesenen ursächlichen. Die Forschenden halten selbst fest, dass andere Erklärungen theoretisch möglich bleiben, und auch die Netzwoche formuliert im Titel vorsichtig, KI dürfte ein Grund sein. Wer die Zahlen als Beweis verkauft, überdehnt sie.

Trotzdem: Es sind die ersten belastbaren Schweizer Zahlen zu einer Entwicklung, über die bisher vor allem mit amerikanischen Anekdoten diskutiert wurde. Und die betroffenen Berufsbilder sind genau jene, in denen viele kleine Schweizer Dienstleister arbeiten.

Was das für dich als Dienstleister heisst

Zwei Dinge, und beide betreffen die Marge.

Erstens: Kunden erwarten, dass Effizienzgewinne im Preis ankommen. Wenn allgemein bekannt ist, dass ein Text, ein Entwurf oder ein Code-Gerüst schneller entsteht als vor drei Jahren, wird die Stunde als Verrechnungseinheit angreifbar. Das ist unangenehm, aber es ist eine Verhandlung, die ohnehin kommt. Wer sie vorbereitet führt, steht besser da als wer sie ausgesessen hat.

Zweitens, und das ist der Hebel, der dir gehört: Die unverrechenbare Arbeit wird teurer. Wenn die verrechenbare Stunde unter Druck gerät, entscheidet das Verhältnis zwischen verrechenbarer und unverrechenbarer Zeit über die Marge. Offerten schreiben, Belege sortieren, Stunden nachtragen, Rechnungen nachfassen: Diese Arbeit bezahlt niemand, und sie wächst mit jedem zusätzlichen Kunden.

Ein konkreter Schritt statt Alarmismus

Nimm dir eine Stunde und finde in deinem Betrieb drei Stellen, an denen Administration verrechenbare Zeit frisst. Nicht zehn, drei. Typische Kandidaten:

  • Wie lange dauert bei dir eine Offerte vom Gespräch bis zum Versand?
  • Wie viele Tage vergehen zwischen Leistung und Rechnung?
  • Wie oft musst du Stunden aus dem Gedächtnis rekonstruieren, weil sie nicht laufend erfasst wurden?

Jede dieser drei Stellen ist ein Prozessproblem, kein KI-Problem. Und sie lässt sich lösen, ohne dass du deine Preise senkst.

Quellen

Publikationsdatum 03.08.2026